Eingescannte Originalfassung der Festschrift zum 40-jährigen Jubiläum der Löschgruppe Dahle. Hier wird die Gründung der Löschgruppe, sowie ihre, nicht immer problemlose, aber sehr interessante Geschichte bis zum Jahre 1952 dokumentiert. Besonders bemerkenswert sind die im Anhang befindlichen Anzeigen der Firmen, welche im Jahr der Festschriftlegung in unserem Dorf existierten.

Die Geschichte unserer Löschgruppe wird weiter vervollständigt und nach Fertigstellung hier publiziert.

 

     Die Gründung und Entwicklung der

                               Freiwilligen Feuerwehr Dahle

                             ,,Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr"

  Während Feuersbrünste in heutiger Zeit, dank der allerorts vorhandenen und modern ausgerüsteten Wehren, in den meisten Fällen auf ihren Herd beschränkt bleiben, nahmen die Brände in früheren Jahrhunderten des öfteren einen derartigen Umfang an, daß ganze Städte und Dörfer zerstört wurden. Die großen Brände, von denen die Chroniken vieler märkischer Orte berichten, dürften in erster Linie auf die damalige Bauweise zurückzuführen sein. Mit Ausnahme der Kirchen, öffentlichen Gebäude und Patrizierhäuser, die zumeist aus Stein ausgeführt waren, baute man die Wohnhäuser aus Holz und Lehm und deckte sie mit Stroh, Schilf oder Schindeln, eine Bedachung, die den züngelnden Flammen reichlich Nahrung bot. Auch die sehr engen und winkligen Straßen begünstigten ein rasches Ausbreiten des Feuers. Im Kreis Altena waren es besonders die dicht an die Häuser gebauten Iserschmitten, Sensen- und Schnallenschmieden, die häufig die Ursache des Brandes bildeten. Wie leicht konnten die zündenden Funken auf die anliegenden Strohdächer überfliegen! „Durch der Hände lange Kette um die Wette fliegt der Eimer”, doch meist ohne Erfolg.

  Wenn man bedenkt, welche verheerenden Wirkungen die Feuersbrünste in jenen Zeiten zur Folge hatten, dann erscheint es unbegreiflich, daß man so wenig bemüht war, durch Heranbildung einer schlagfertigen Wehr dem vernichtenden Element entgegenzutreten. Eine Feuerwehr im heutigen Sinne gab es in Dahle nicht. Zwar baute man Feuerlöschteiche an mehreren Stellen des Dorfes und verpflichtete die Hausbesitzer, einen Feuereimer jederzeit greifbar zur Hand zu haben. Die Gemeinde besaß auch eine Handdruckspritze, die alljährlich von nichtfachkundiger Hand bei gleichzeitigem Appell der Ledereimer geprüft wurde, aber von einer planmäßigen Ausbildung der Dorfbewohner in der Bekämpfung des Feuers war keine Rede. Das wichtigste Gerät bei Bränden war wohl der Feuerhaken, mit dem man auch nicht brennende Wände niederriß, zum größten Leidwesen der Feuerversicherungs-Gesellschaften.

  Die Freiwillige Feuerwehr Dahle wurde in einer von dem Amtmann Kirchhoff (Neuenrade) einberufenen Versammlung, an der auch die Mitglieder der Gemeindevertretung teilnahmen, am 14. Mai 1912 gegründet. In dieser Gründungsversammlung traten 39 Männer der Wehr bei. Der vorläufige Vorstand wurde beauftragt, die Beschaffung von Uniformen und der noch fehlenden Ausrüstungsgegenstände in die Wege zu leiten. In der Hauptversammlung vom 23. Mai 1912 im Saale des Gastwirts Grete erfolgte die endgültige Wahl der Führer:

Oberes Bild: Brandmeister Schliecke


Unteres Bild: Brandmeister Bestgen,

 

 

Erster Brandmeister: Postverwalter Schliecke; stellvertretender Brandmeister: Fabrikant Artur Bestgen; Führer der Spritzen- und Hydrantenabtellung: Kaufmann Wilh.. Ossenberg-Engels; Stellvertreter: Fabrikant Otto Winkhaus; Führer  der Steigerabteilung: Gustav Goseberg; Stellvertreter: Hugo Steuber; Führer der Ordnungsmannschaft: Eduard Wortmann.

Nachdem der Beitritt zum Kreisfeuer- wehrverband und zum Westfälischen Feuerwehrverband beschlossen war,
konnte am 11. August 1912 die 1. Uebung stattfinden. Im Jahre 1913 wurde an der Südseite des neuen Schulgebäudes ein Steigerturm  errichtet.. Mit Beendigung des Weltkrieges 1914/18 war die Mitgliederzahl auf 22 gesunken. 1920 schied Postverwalter Schliecke infolge seiner Versetzung nach Sprockhövel aus der Wehr aus. An seine Stelle wählte die Generalversammlung   vom 21. August 1920 den Fabrikanten Artur Bestgen zum ersten Brandmeister.

 

 

 

  Obwohl die Feuerwehr in den Nachkriegsjahren des öfteren bei Bränden in Anspruch genommen werden mußte, und damit die Notwendigkeit ihres Bestehens unter Beweis stellte, war doch in der Bürgerschaft sehr wenig Interesse für diese Einrichtung vorhanden. Die Werbung neuer Mitglieder blieb erfolglos. Infolgedessen verloren die Feuerwehrleute die Lust zum Ueben, und die Schlagkraft der Wehr ging mehr und mehr zurück. Man trug sich mit dem Gedanken der Auflösung. Da brach im August 1926 im Hause Bleicker an der Hochstraße ein Brand aus. Die Feuerwehr war schnell zur Stelle, und dank ihres tatkräftigen Eingreifens konnte das Feuer auf den Dachstuhl des Hauses beschränkt werden. Dieser Brand zeigte klar und deutlich, daß eine Feuerwehr unentbehrlich ist, und der Zugang von Mitgliedern wurde stärker denn je zuvor.

  Die wiederholten Verhandlungen des Gemeindevorstehers Rump mit allen Führern und das wachsende Interesse der Bürgerschaft für die gemeinnützige Einrichtung gab der Feuerwehr einen neuen Auftrieb.

Nach der Generalversammlung vom 1. Oktober 1926 konnten die regelmäßigen Uebungen mit 46 aktiven Mitgliedern und einer 13köpfigen Ordnungsmannschaft unter der Leitung des ersten Brandmeister´s Artur Bestgen fortgesetzt werden.

 1929 legte Brandmeister Bestgen seinen Posten aus Gesundheitsrücksichten nieder. Er wurde in Würdigung seiner Verdienste um die Entwicklung der Wehr zum Ehrenbrandmeister ernannt. Unter der zielbewußten Leitung seines Nachfolgers, des Fabrikanten Wilhelm Grefe, wurde die Feuerwehr weiter ausgebaut, soweit es im Rahmen der zur Verfügung stehenden Geldmittel möglich war. Nachdem dann in den letzten drei Jahren namhafte Beträge aus der Feuerschutzsteuer an die einzelnen Wehren verteilt wurden, konnte die Schlagkraft und Einsatzbereitschaft durch Anschaffung neuer Geräte und verstärkte Uebungen wesentlich erhöht werden. Es soll nicht unerwähnt bleiben. daß die Amtsvertretung, Amtsdirektor Morlinghaus und Bürgermeister Pungel sich um die Bereitstellung von Mitteln sehr bemüht haben.

  Auf Grund des Preußischen Feuerlöschgesetzes vom 15. 12. 1933 erfolgte die Verschmelzung der Dahler und Neuenrader Wehr zu einer Feuerwehr des Amtes Neuenrade, mit deren Leitung Brandmeister Heinrich Schulte (Neuenrade) beauftragt wurde. Durch das am 23. 11. 1938 in Kraft getretene Reichsfeuerlöschgesetz wurden die Feuerwehren als Vereine aufgehoben und in Hilfspolizeitruppen umgewandelt.

 Als während des 2. Weltkrieges viele Kameraden von der Wehrmacht eingezogen worden waren, suchte man die Lücken durch Dienstverpflichtungen auszufüllen. In den ersten Kriegsjahren fanden alle vier Wochen Uebungen statt. Nachdem der Luftschutz erhöhte Anforderungen an die Schlagkraft der Feuerwehren stellte, wurde alle 14 Tage geübt. Anfang des Krieges erhielt die Wehr eine 400 l-Motorspritze, zwei Jahre später noch eine 800 l-Motorspritze mit Anhänger. Gegen Ende des Krieges wurden die vorhandenen Waldbrandgeräte,
wie Hacken, Spaten, Schaufeln usw. von der Wehrmacht beschlagnahmt. Die einziehenden amerikanischen Truppen öffneten gewaltsam das Gerätehaus, nachher fehlten verschiedene Ausrüstungsstücke. Auch bei den folgenden Hausdurchsuchungen wurden Uniformen und Koppelzeuge der Mannschaften mitgenommen, in der Meinung, daß es sich um SS-Ausrüstungsstücke handelte.

  Nach dem Zusammenbruch fanden zunächst keine Uebungen statt, und es kostete viel Mühe seitens der Behörden und Wehrführer, die Feuerwehrmänner zur Wiederaufnahme des Dienstes zu bewegen. Die lnteressenlosigkeit und Müdigkeit war jedoch zum größten Teil auf die schlechte Ernährung zurückzuführen. Auch die finanziellen Verhältnisse lähmten den Wiederaufbau der Wehr.

  Was den Feuerwehrdienst besonders erschwerte, ist die Tatsache, daß die Mannschaften die schwere Motorspritze vom Gerätehaus bis zur Brandstelle selbst ziehen mußten, und in Dahle sind die Straßen besonders steil. Doch die Feuerwehrleute wußten sich zu helfen. Aus Wehrmachtsbeständen erwarben sie einen geeigneten Geländewagen. Zwar schob die Währungsreform alle Umbaupläne hinaus, doch mit privaten Spenden und öffentlicher Unterstützung schaffte man es schließlich doch. So konnte Amtsdirektor Morlinghaus am 12. April 1949 in Anwesenheit der Gemeindevertretung der Dahler Feuerwehr den neuen Gerätewagen übergeben, der darauf von Oberbrandmeister Grefe vor-

geführt wurde. Mit 82 PS und Allradantrieb kann der Wagen jeden bebauten Ort der Gemeinde erreichen. 12 Personen finden bequem Platz, und können mit der freibeweglich im Wagen untergebrachten Motorspritze jeden Brand in Dahle löschen. Die Spritze kann bei 6 Strahlrohranschlüssen mehr als 400 l Wasser in der Minute fördern. Die nach der Währungsreform entstandenen Restkosten wurden vom Amt Neuenrade übernommen, da nach dem Gesetz über den Feuerschutz im Lande Nordrhein-Westfalen vom 2. Juni 1948 das Amt Träger der Feuerwehr bleibt. Mit Genugtuung konnte festgestellt werden, daß die Anschaffung des neuen Geräte- und Mannschaftswagens die Dienstfreudigkeit der Feuerwehrleute wesentlich erhöhte.

  Von den 39 Gründern leben z. Z. noch 15, von denen 3 bis zur Erreichung der Altersgrenze der Wehr die Treue hielten und ihr heute noch als Ehrenmitglieder angehören. Es sind: Ewald Graf, Eduard Wortmann und Hugo Beckmerhagen. Wortmann gehörte von der Gründung bis zu seinem Ausscheiden. dem Führerkorps an.

 Auch die Kameraden, die im Jubiläumsjahr auf eine 25- und mehrjährige Mitgliedschaft zurückblicken können, sollen nicht unerwähnt bleiben: Wilhelm Kölsche, Albert Ossenberg-Schule, Konrad Gaul, Fritz Bleicker, Julius Wille, Heinrich Bucksath, Carl Frank und Paul Ossenberg-Schule.

  Als Brandmeister Wilhelm Grefe 1942 zum Wehrführer der Feuerwehr des Amtes Neuenrade ernannt wurde, übernahm Albert Ossenberg-Schule als erster Brandmeister die Dahler Wehr. Beide Wehrführer bekleiden auch heute noch ihre Aemter mit gleicher Hingabe. Dasselbe kann von vielen unserer alten Feuerwehrmänner und den während des Krieges zur Feuerwehr Dienstverpflichteten gesagt werden, die alle von hohem Idealismus beseelt, sich freiwillig und uneigennützig seit vielen Jahren der guten Sache zur Verfügung stellen. Groß ist die Zahl der Einsätze und Hilfeleistungen bei Bränden und anderen Anlässen, die die Freiwillige Feuerwehr Dahle während ihres 40 jährigen Bestehens zu verzeichnen hat.

  Möge diese segensreiche Einrichtung der Gemeinde Dahle auch in Zukunft ihren Zweck erfüllen zu Nutz und Frommen der Allgemeinheit und immerdar ihren Mann stehen, wenn es gilt, Hab und Gut. Leib und Leben der Mitmenschen bei Naturkatastrophen zu retten!

 

Vom Dahler Feuerlöschwesen in alter Zeit

Aus der Zeit der Kleinstaaterei — (Hohen)-Limburg = Ausland

  Unsere Feuerwehrleute werden sich dafür interessieren, daß vor 160 Jahren zum erstenmal für die Gemeinde Dahle eine Feuerspritze angeschafft wurde. Am 3. November 1791 stellten die Vorsteher des Dorfes folgenden Antrag an den Magistrat der Stadt Neuenrade:

 ,,Ew. Hochedelgeboren ist bekannt, daß bisher in Dahle keine Feuerspritze vorhanden und diese doch daselbst sehr nötig ist, weil bei einem entstehenden Feuer der ganze Ort niedergebrannt sein könnte, ehe man imstande wäre, die Feuerspritze von Neuenrade herbeizuholen, dieses veranlaßt uns, Ew.. Hochedelgeboren gehorsamst zu bitten, auf Kosten der Cämmerey-Kasse eine neue Feuerspritze für Dahle anzulegen. Wir glauben, daß Ew. Hochedelgeboren diese Bitte für gerecht halten und höheren Orts unterstützen werden, da wir ein Theil und zwar kein unbeträchtlicher Theil der Stadt Neuenrade sind, mithin in eben der Art wie diese unter ihrer Vorsorge stehen und gleiche Rechte auf die Theilnehmung an den Cämmerey-Einkünften haben, die zu nichts besonderem verwandt werden können, als zur Sicherheit der Bürgerschaft.”

  Nach einem vom Spritzenmeister Reuter (Duisburg) eingerichteten Kosten-anschlag belaufen sich die Kosten für den Bau einer Feuerspritze auf 220 Rthr. Neuenrade befürwortet den Antrag der Dahler Vorsteher, schlägt jedoch bezüglich der Finanzierung vor, 50 Rthr aus der Cämmerey-Kasse anzuweisen und die restlichen Kosten von den Eingesessenen der Gemeinde selbst aufbringen zu lassen. Da dieser Plan die Kgl. Genehmigung gefunden hat, wenden sich die Dahler Vorsteher am 19. März 1742 in einer Eingabe an den König von Preußen mit der Bitte, die Gesamtkosten von 220 Rthr. aus der Neuenrader Cämmerey-Kasse anzuweisen. Nach wiederholten Vorstellungen kommt schließlich eine Vereinbarung zustande, nach der Dahle sich verpflichtet „den 50 Rthr. übersteigenden Betrag solange von bemittelten Bürgern aufzunehmen, bis ein Fonds vorhanden, woraus solcher wieder ersetzt. werden könnte”. Zur Tilgung dieser Schuld soll ein Teil des jährlichen Accise-Ueberschusses in Anspruch genommen werden, dessen Höhe im Benehmen mit den Gemeinheitsvorständen zu Neuenrade alljährlich festzusetzen sei.

  In einem Schreiben der Aufsichtsbehörde zu Hagen vom 13. Juli 1792 wird beanstandet, daß in den Berichten des Magistrats der Stadt Neuenrade nicht angegeben sei, wo die Spritze nebst Zubehör untergebracht und die Kosten für ein etwa zu erbauendes Spritzenhaus hergenommen werden sollen. „Magistrat scheint überhaupts ganz gleich gültig bey der Sache zu sein, sonst würde er sich wohl mehr beeifern diese nützliche Anlage zustande zu bringen. Demselben wird dahero empfohlen, in dem Betrieb dieser Sache mehreren Eifer für die Ein- gessenen zu Dahle blicken zu lassen.“

 Um endlich zum Ziele zu kommen, verpflichtet sich Dahle, den Bau eines Spritzenhauses selbst zu übernehmen. Nach Ansicht des Vorstehers ist die Anschaffung weiterer Gegenstände vorderhand nicht erforderlich, „da ein jeder Eingesessene mit einem ledernen Eimer versehen sey”. Nachdem die Finanzierung nunmehr gesichert ist, erläßt der Magistrat in Neuenrade unterm 11. August 1792 eine Bekanntmachung, nach der „die Kupferschlangenspritze am künftigen Samstag auf hiesigem Rathhause morgens um 10 Uhr an den Mindestfordernden verdungen werden soll. Die Vorwarde können täglich beim Ratsherrn Büsche eingesehen werden. Lusttragende Meister möchten sich allda einfinden und ihren Vorteil sichern.”

  Das Angebot des Spritzenmeisters Reuter (Duisburg) wird für hinfällig erklärt, da die Aufsichtsbehörde in Hagen verfügt hat: ,,Die Spritze, welche der Reuter zu Duisburg verfertigt, sind zwar gut, nur würden sie wegen des weiten Transportes nach Dahle teuer zu stehen kommen, weshalb dem Magistrat aufgegeben wird. sich ohne Anstand in dortiger Gegend nach einem andern geschickten Meister umzutun."

  Auf Grund der Bekanntmachung des Neuenrader Magistrats werden folgende Kostenanschläge eingereicht: Spritzenmeister Polcher in Limburg (153 Rthr.) und Spritzenmeister Schmölder in Hagen (170 Rthr.) Obwohl das Angebot des Limburger (Hohenlimburg) Spritzenmeisters das billigste ist, wird der Zuschlag auf Anordnung des „Hochpreißlichen Hoflagers” vorerst noch hinausgeschoben, weil die Brandspritzen einheimischen Meistern in Arbeit gegeben werden sollen, Polcher aber im „Ausland” lebe (Grafschaft Limburg.) Da bei dieser Sache, so nützlich und notwendig sie auch sei, umsomehr aber Sparsamkeit angewendet werden müsse", wird auf Grund eines Königlichen Dekrets Friedrich Wilhelm II. dem Spritzenmeister Polcher schließlich doch der Auftrag erteilt.

 Zur weiteren Verbesserung des Feuerlöschwesens wird der Bau von Wassersammelteichen ins Auge gefaßt. Doch es vergehen .Jahrzehnte, bis die Pläne verwirklicht werden. In einem Schreiben des Bürgermeisters zu Neuenrade an den Landesdirektor Holtzbrink vom 20. September 1826 heißt es:

 ,,Schon seit vielen Jahren war man von dem notwendigen Bedürfnis überzeugt, daß in dem Dorf Dahle einige Teiche zur Aufbewahrung des Wassers für Brandunglücksfälle angelegt werden mußten, indessen fehlte es bis dahin an geeigneten Plätzen, so wie auch an gutem Willen der früheren Gemeinderäthe zur Aufbringung der Kosten. Die jetzigen Gemeinderäthe glauben nun diejenigen Stellen gefunden zu haben, welche sich vorzüglich gut zu solchen Anlagen eignen und beabsichtigen, die dadurch entstehenden Kosten auf den nächsten Communal-Cassen-Etat zu übernehmen”.

  Nachdem die aufsichtsbehördliche Genehmigung erteilt worden ist, wird der Bau von drei Feuerlöschteichen in den vier Gemeinden des Amtsbezirks (Neuenrade. Dahle. Werdohl und Ohle) öffentlich ausgeschrieben. Da kein Unternehmer zu den festgesetzten Bedingungen die Wasserteiche bauen will, schreiten die Gemeinderäte ein Jahr später zur Selbsthilfe. Die gesamten Arbeiten werden durch unentgeltliche Hand- und Spanndienste ausgeführt, so daß nur die Kosten für das erforderliche Baumaterial aufzubringen sind. Nach Fertigstellung der Anlagen wird vom Baukondukteur Dyckerhoff (Iserlohn) ein Gutachten erteilt, nach dem „sämtliche drei Teiche zweckmäßig und dauerhaft” seien. Auf Vorschlag des Gutachters beschließen die Gemeinderäte, zum Einsteigen in die Teiche Leitern anzuschaffen, die im Hause eines Nachbarn oder im Feuerwehrhause aufbewahrt werden sollen.

  Außer den drei Feuerlöschteichen war bereits im Jahre 1818 ein Sammelteich von dem Maurermeister Peter Adolph Ossenberg auf dem Grundstück des Johann Diedrich Hegenscheid für 20 Rthr. 33 Sgr. angelegt worden.

  Wie sehr sich unsere Vorfahren auch bemühten, des Feuers Herr zu werden, und zur Verbesserung ihrer Wehren keine Opfer scheuten, blieben die Löschmöglichkeiten doch unzulänglich. So konnte nicht verhindert werden, daß noch im Jahre 1880 bei dem großen Brand von Dahle fast das ganze Dorf dem Erdboden gleich gemacht wurde.

 

Der große Brand von Dahle am 28. August 1880

                                   „Wohltätig ist des Feuers Macht,
                                   wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht;
                                   doch furchtbar wird die Himmelskraft,
                                   wenn sie der Fessel sich entrafft!”

                                                                                   (Schiller.)

   Hell und freundlich beschien die aufgehende Sonne am Morgen des 28. August 1880 das friedliche Dörfchen Dahle mit seinen wohlgepflegten Häusern. Mit frischer Kraft wandten sich die Einwohner ihrer Arbeit zu. Aus den Schornsteinen der Schmieden und Werkstätten stieg der Rauch kerzengrade in die Höhe. Funken sprühten, Hammerschläge erklangen durch die frische Morgenluft, und die Jugend ging vergnügt der Schule zu. Niemand ahnte das schwere Verhängnis, das über Dahle schwebte und das Dorf binnen vier Stunden in einen Ort des Schreckens verwandelte.

  Es war gegen 8 Uhr vormittags, als plötzlich der Ruf ,,Feuer" erscholl. Das Wohnhaus von Wilhelm Diekgräfe stand in hellen Flammen. Die mit Stroh gedeckten Dächer boten dem vernichtenden Element reichliche Nahrung. In zwei Stunden hatte sich das Feuer über das ganze Dorf verbreitet. Ein kräftiger Ostwind trug viel zu seiner schnellen Verbreitung bei. Nicht allein im benachbarten Evingsen, sondern auch in der Rahmede und am Bahnhof Altena ist verkohltes Stroh niedergefallen. Den vereinten Kräften der Dahler, Neuenrader und Evingser Feuerwehren gelang es nicht, des Feuers Herr zu werden. Die Feuerwehr von Basse und Selve aus Altena kam leider erst spät, weil die telegrafisch gemeldete Nachricht nicht angekommen war. Das Feuer hatte die Leitung zerstört. Doch hätte auch diese Wehr, selbst wenn sie nach einer halben Stunde zur Stelle gewesen wäre, das Dorf nicht retten können.

  Der Tag, der so viele Bewohner an das Grab ihrer Habe gestellt hatte, ist zu Ende, Eine kühle und feuchte, schon herbstliche Nacht senkt sich auf unser einsames Gebirgsdorf. Aber nicht der traute Schein der Lampen dringt heute aus seinen sonst so friedlich daliegenden Häusern. Die unheimliche Glut des brennenden Gebälkes leuchtet daraus hervor und erhellt die umliegenden Trümmerhaufen. Hager emporragende Schornsteine, auflodernde Flammen, erstickender Rauch und der dumpfe Fall einstürzender Mauern erschüttern den nächtlichen Beobachter. Das fleißige, ehrliche Dahle liegt in Schutt und Asche. Auf den Höfen rings umher, auf den grünen Rasenmatten und Feldern, die den Ort so malerisch umkleiden, liegen Oefen, Betten, Tische, Schränke und andere Hausgeräte zerstreut umher, dem Zufall der Witterung preisgegeben. Und dazwischen weinende Kinder jeden Alters, geängstigte Frauen, bis aufs äußerste erschöpfte Männer. Einige müssen 14 Tage lang auf freiem Feld schlafen. In stiller Ergebung erträgt die Bevölkerung ihr hartes Geschick.

  Der 29. August war ein Sonntag. Von nah und fern kamen Fremde um die Stätte der Verwüstung zu sehen. Die Zahl der an diesem Tage in Dahle anwesenden Besucher wird auf 5 bis 6000, von einigen noch höher geschätzt. Gegen Mittag war der Regierungspräsident Steinmann schon hier, um sich persönlich von der Größe des Unglücks zu überzeugen, und die erste Not beseitigen zu helfen. Es stellte sich heraus, daß von den 120 Wohnhäusern 79 eingeäschert waren. Durch die vollständig niedergebrannten Häusern waren 238 Personen obdachlos geworden, die bei anderen Familien, in dem augenblicklich leerstehenden Pfarrhaus, im Vereinshaus, in den Schulgebäuden oder in den benachbarten Ortschaften ein Unterkommen fanden. War auf diese Weise auch die erste Not der Leute gelindert, so fehlte denselben doch jede Gelegenheit, sich den allernotwendigsten Lebensunterhalt zu verschaffen. Doch auch hier wußten mildtätige Nachbargemeinden Rat zu schaffen. Um die Mittagszeit kam ein Karren aus Neuenrade herüber und brachte warmes Essen, zu dessen Empfangnahme im Schulhause die Bedürftigen durch Schellenklang eingeladen wurde. Werdohl schickte in der Nacht einen Wagen mit Brot. Auch Altena stand nicht zurück. Die Firma Basse und Selve stellte ihr Magazin zur Verfügung, aus dem Lebensmittel entnommen wurden. In der großen Wirtsstube bei August Bäcker erhielten die Leute täglich Mehl, Brot, Speck, Butter usw. Anfangs blieben manche Frauen draußen weinend stehen und schämten sich, hereinzukommen, um die milde Gabe in Empfang zu nehmen. Da die meisten Leute keine Kochtöpfe mehr hatten, wurde im Vereinshaus eine große Küche eingerichtet,
wo sich des mittags gegen hundert Personen an den großen Tisch setzten.

  Einige der abgebrannten Häuser wurden noch im Spätherbst 1880 so weit wieder hergestellt, daß sie wenigstens einigermaßen bewohnbar waren. Der Hauptaufbau des niedergebrannten Dorfes mußte natürlich bis zum nächsten Frühjahr verschoben werden. Man bot den Abgebrannten in den Nachbarorten Wohnungen an, aber die Dahler wollten ihr geliebtes Dörfchen auch im größten Unglück nicht verlassen und sich lieber mit dem kleinsten Raum begnügen. So kam es, daß die vom Brande unbeschädigt gebliebenen Häuser überfüllt waren, die alte Schule z. B. barg nach dem Brande nicht weniger als acht Familien in ihren Mauern.

  Frühling und Sommer 1881 waren äußerst günstig, so daß man frisch ans Werk gehen konnte, um das Dorf wieder aufzubauen. Anfang des Herbstes waren die meisten Häuser wieder fertiggestellt, so daß der größte Teil der Bewohner in die neuen Heime einziehen konnte. Zu Verschönerung des Dorfbildes wurden einige Häuser, die dem Straßenbau im Wege standen, nicht wieder aufgebaut. Dank der von allen Seiten zuströmenden Gaben war das niedergebrannte Dorf in kurzer Zeit wie ein Phönix aus der Asche wiedererstanden, und heute gehört Dahle mit seinen schmucken Häusern, begünstigt durch die Entwicklung der Industrie, zu den freundlichsten Dörfern des Sauerlandes.

Das Führerkorps im Jubiläumsjahr 1952

        1. Walter Wiesemann, stellvertretender Brandmeister
        2. Heinrich Thal, Kraftfahrer und Maschinist
        3. Wilhelm Kölsche, Gruppenführer
        4. Wilhelm Grefe, Oberbrandmeister
        5. Albert Ossenberg-Schule, Brandmeister
        6. Heinrich Bucksath, Zeugwart
        7. Carl Frank, Gruppenführer

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